1. Teil: Detect Ensemble

Auf der Suche nach dem Wesen von Klang

Das Zuhören ist Ausgangspunkt für Kommunikation. Um diese These zu verfolgen, gründete ich das Detect Ensemble.
Zwischen experimenteller-, elektronischer und Neuer Musik und in Kooperationen mit Solo-Künstler*innen aus ebendiesen Bereichen suchen wir nach dem Wesen von Klang, nach den Voraussetzungen für eine Kommunikation auf Augenhöhe und Zusammenarbeit über Genres hinweg.
Als Auftaktprojekt arrangierten wir vier Tracks des Produzenten Roman Flügel. Er war einer der ersten DJs, die Techno in Deutschland etabliert haben, aber inzwischen wendet er sich immer mehr dem Ambient und Minimal Music zu. Ich habe die grundständigen Melodielinien und Strukturen arrangiert,  die Hauptarbeit, die Klangfarben zu finden und zu adaptieren, fand gemeinsam in der Gruppe statt. 
Wir tasten uns Schritt für Schritt an eine Arbeitsweise heran, die es ermöglicht auf hohem musikalischem Niveau mit Akteuren aus der Club- und Subkultur zu arbeiten. Dabei geht es vor allem darum, von den Möglichkeiten und Grenzen der Herangehensweisen zu lernen. Zum Beispiel können elektronische Musikinstrumente ohne Probleme die verschiedensten Klangfarben über das gesamte Spektrum wiedergeben, die Stärken von traditionellen Instrumenten liegen hingegen in Agogik und Spontanität.
 
Wir spielten bei unserem ersten Auftritt auch das Stück „Etüde Nr.1: Minimüll“, ein Konzept von Clemens Ohlendorf (Schlagzeug) und mir. Aus mikrototalen Schwingungen ergeben sich Pulse, die immer schneller werden und letztlich in einen Rhythmus führen. Das Stück ist zu großen Teilen offen notiert und entsteht im Moment. Auf der Aufnahme ist das Konzept nicht konsequent umgesetzt, das ist uns in der Aufführung selbst nicht gelungen. Es liegt noch ein langer Weg vor uns als Klangkörper, um so offen und Aufmerksam zu sein, dass die Musik im Moment bis in die letzte Konsequenz der gewünschten Dramaturgie folgt.
Ich sehe mich in diesem Ensemble nicht nur als musikalische Leiterin eines Klangkörpers, sondern auch als Musikvermittlerin zwischen vermeintlich gegensätzlichen Lagern, die aber ein hohes Interesse am jeweils „neuen“ haben, zwischen Musiker*innen mit unterschiedlichen Hintergründen, die nicht die gleiche Sprache sprechen, gegenüber Veranstalter*innen und nicht zuletzt zwischen Klangkörper und Publikum.